Außer Frusteis nichts gewesen


Von Timo Schoch


Ein Eis kann für mich Motivation darstellen, aber auch bei der Frustbewältigung helfen. Deshalb war es ganz hilfreich, dass wir noch Eis im Tiefkühlschrank hatten, als ich vom Altmühltaler Straßenpreis nach Hause kam. Denn das KT/A/B/C-Rennen verlief nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Vor allem hatte ich mich im Vorfeld schon über den Käsekuchen gefreut, den mir unser Sponsor Matthias Kowalsky versprochen hatte, wenn ich die 105 Kilometer durchfahren würde. Vor allem deshalb lief mir schon das Wasser im Mund zusammen, weil ich weiß, wie toll die Produkte aus dem Haus food artists sind. Aber ich muss leider noch etwas darauf warten.


Das Rennen selbst ist schnell erzählt. Ich konnte mich recht weit vorne einreihen und nahm mir vor, mich nicht gleich wieder ans Ende des Feldes zurückfallen zu lassen. Auch meine Schuhe fanden gleich den Weg ins Klickpedal – somit konnte ich nach ein paar Metern sogar ein paar Fahrer überholen, die das gleiche Problem hatten, wie ich bei meinen beiden vergangenen Lizenzrennen. Aber bereits in der ersten Kurve ging das Gedränge los. Oberschenkel an Lenker, Schneiden von links, Stoß von rechts. Danach war ich mitten drin eingekesselt. Scharfes Bremsen weiter vorne, Flüche von hinten. Irgendwie wurde es mir da ziemlich schnell mulmig. Also passierte der erste Fehler: Statt einfach etwas Gas zu geben und nach vorne zu fahren, ließ ich mich nach hinten, ans Ende des Feldes, fallen. Dort war ich auch, als es erstmals den harten Schlussanstieg von Schambach zum Ziel nach Attenzell hochging. Und flugs bildete sich auch gleich ein Loch, welches ich nicht mehr zufahren konnte. Das Grupetto versuchte dann noch in der Ebene die Lücke zu schließen, aber das war vergebliche Liebesmüh. Die Gruppe funktionierte nicht, der Kreisel kam nicht zu stande. Der Vorsprung auf das Hauptfeld wuchs.


Mitte der zweiten Runde schlossen die Senioren mit der U19 zu uns auf, die eine Minute nach uns gestartet waren. Das war auf der einen Seite Glück, weil wir so wieder an das Hauptfeld heranfuhren, doch auf der anderen Seite machte ich den gleichen Fehler wie zuvor: Ich ließ mich im Feld zu weit nach hinten fallen. Als wir dann noch am Hauptfeld des KT/A/B/C dran waren, gab es kein Durchkommen mehr. Zwar versuchte ich, meine beiden vorangegangenen Fehler wieder gut zu machen und nach vorne zu fahren, doch es gelang mir nicht, die Straße war einfach dicht. Somit kam, wie es wieder kommen musste: Es gab bei der dritten Auffahrt nach Attenzell wieder ein Loch, ich konnte erneut nur reagieren und die Lücke nicht schließen – trotz toller moralischer Unterstützung am Streckenrang und trotz Thomas Hellers verzweifelten Versuch, mich nach vorne zu peitschen. Beim Anstieg schlug er mir kräftig auf den Oberschenkel und schrie: „Los jetzt!“ Aber mehr als ein zehnsekündiges Aufbäumen war nicht drin – und richtig näher kam ich leider auch nicht mehr. So fuhr ich mit einigen Senioren und zurückgefallenen Elite-Fahrern weiter. Da die Senioren allerdings „nur“ vier Runden fuhren, die Elite aber sieben Runden zu absolvieren hatten, waren wir zu Beginn der fünften Runde nur noch zu fünft. Leider konnten die anderen vier am Schlussanstieg, welchen ich nicht sonderlich schnell fuhr, nicht mitgehen, somit war ich allein. Trotzdem nahm ich mir vor, die letzten beiden Runden alleine zu bewältigen, weil ich eben scharf auf diesen Käsekuchen war. Allerdings erreichte mich kurz vor Böhmfeld der Besenwagen. Der Fahrer kurbelte das Fenster herunter und wies mich an, sofort das Rennen zu beenden. Somit fuhr ich nach 85 von eigentlich 105 Kilometern rechts heran, zog mein Trikot aus und nahm frustriert die Startnummer ab. Der virtuelle Käsekuchen zerplatzte vor meinen Augen. Ich hatte mir schon gedanklich ein Stück abgeschnitten, weil es – obwohl ich allein war – echt gut lief und ich sogar meine Wattzahlen halten konnte. Hinter mir kam minutenlang nichts, so rollte ich zurück nach Attenzell und wartete dort, bis Jonas Schmeiser in einem fulminanten Zielsprint den Altmühltaler Straßenpreis gewann. Für das Team freute ich mich über den Sieg von Stefan Bayerlein beim Hobbyrennen und die tollen Platzierungen von Aleš Großberger (10.) und Niklas Finke (15.) beim Lizenzrennen.


Am Abend gab es eben bei mir das Frusteis – wobei wir eigentlich gar nicht so viel Eis zu Hause hatten, wie ich hätte essen müssen, dass es mir wieder gut geht. Zumindest habe ich die verbrannten Kalorien schnell wieder zugeführt. Aber bis zum Amadé-Radmarathon sind es noch sechs Tage. Bis dahin gibt es wieder Nachschub für den Tiefkühlschrank – aber ich hoffe, dass es nach dem Amadé ein Belohnungseis – und kein Frusteis – gibt. 

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