Der heiße Ritt

gegen virtuelle Gegner

 

Von Marjan Dolamic

 

8 Uhr morgens: Ich schaue aus dem Fenster und sehe wieder dieses Dreckswetter!


Aber zum Glück gibt es Zwift!


Zwift ist eine virtuelle Plattform für Radsportler, bei mir funktioniert das ganze mit PC, Ant+ Stick, Rollentrainer und Powermeter.
Die Geschwindigkeit wird über Leistung Watt pro Kilogramm berechnet.


Beim Frühstück überlege ich mir, ob ich heute mit meinen Freund Dušan, der in Slowenien lebt (slowenischer Elitefahrer und Cyclecross Meister), im Zwift gemeinsam eine Runde drehe, oder doch gleich lieber in der Zwiftliga ein Rennen fahre. Ich entscheide mich heute mal fürs Rennen.


Ich checke beim Frühstück die Zwift-App und sehe um 10 Uhr ein Sieben-Runden-Rennen, und denk mir: Ja da bin i dabei!!


Gut gestärkt wird im Keller der 55-Zoll-Fernseher und das ganze System inklusive zweier Ventilatoren hochgefahren. Ich sehe circa 160 Teilnehmer aus allen Nationen. Fast wie beim Rennen draußen bin ich schon am Start etwas nervös und voll mit Adrenalin. Puuh - noch fünf Minuten bis zum Start. Die Uhr zählt runter und wir fahren uns schon mal warm. Und LOS!!! Es wird von Anfang an Vollgas gefahren, nach circa acht Minuten und einer durchschnittlichen Wattleistung von 430 Watt liege ich in Führung, aber ich muss noch 6,5 Runden durchhalten "Fuck des schaff i ned!"


Aber mein Motto "No Pain, no Gain" - Zähne zambeißen und weiter!! In Runde drei sind wir nur noch elf Fahrer in der Spitzengruppe, hauptsächlich Belgier und Spanier! Trotz Ventilatoren läuft der Schweiß wie fließend Wasser. Ich denke mir: Das gibt's doch ned was sind des für Tiere, die da noch mithalten können!"

 

Über die App kann ich erkennen, wer sie sind und mit welchen System gefahren wird!


Ich denk mir: Hauptsache durchhalten, Marjan!!


In Runde vier ist einer der Belgier alleine davon - ich hatte null Chancen, da mithalten zu können... Hmmm, vielleicht ist das der belgische Meister und Profi Philippe Gilbert??


Jetzt sind wir noch neun Fahrer in einer Gruppe, zwei sind uns auf und davon!!


Die Beine brennen, die Luft wird knapp, und ich konzentriere mich auf die letzte Runde mit dem Schlusssprint!


In der letzten Runde wird nochmal richtig im Limit gefahren. Ich bin die meiste Zeit vorne in Führung und der Rest der Gruppe im Windschatten. So, jetzt noch 600 Meter bis zum Ziel und zwei Fahrer überholen mich. Ojoooj das geht gar nicht. Beim Sprint drücke ich nochmal die 1300 Watt auf der Rolle und komme als Vierter ins Ziel!!


Puuuh - was für ein Rennen: eine Stunde und zehn Minuten bei 352 Watt im Schnitt. Ich bin fick und fertig!

 

Fazit: Zwift kann süchtig machen und macht richtig Spass, aber trotzdem freue ich mich auf den Frühling!


Aber weil bestimmte Systeme deutlich höhere Wattwerte zeigen, darf man das ganze nicht so ernst nehmen. Den realen Wert zeigen nur ordentlich kalibrierte Powermeter an! Der Belgier hatte einen Duchschnittswert von 570Watt... Ziemlich unrealistisch - oder war es doch der Gilbert?? ;-)

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