Super-Fahrt beim SuperGiro

 

Von Thomas Gschnitzer

 

Beim SuperGiro Dolomiti zeigte der Fahrer des Racing Teams WINAX - food artists, Thomas Gschnitzer, wieder einmal seine ganze Klasse. Der Bergspezialist wurde beim Rennen über 232 Kilometern und 5234 Höhenmetern Achter. Sein Bericht.

 

Relativ kurzentschlossen ging ich am Sonntag, 11 Juni, beim SuperGiro Dolomiti in Lienz an den Start. Mit der Anmeldung habe ich bis zum letzten Drücker abgewartet, um sicherzugehen, dass das Wetter halbwegs passt. Grund dafür waren die Abfahrten der Pässe, mit teilweise miserablem Straßenzustand, die ich schon von einer Trainingsfahrt im letzten Jahr kannte. Bei Regen wäre ich mit großer Wahrscheinlichkeit zu Hause geblieben.

 

Aber das Wetter war gut, die Temperaturen noch angenehm, als um 6.45 Uhr der Startschuss zur äußerst anspruchsvollen Runde fiel: 232 Kilometer und 5234 Höhenmeter sollten bewältigt werden. Unter den Startern konnte ich gleich zahlreiche bekannte Gesichter ausmachen,  unter ihnen auch Bernd Hornetz, dem Sieger des Ötztaler Radmarathons im vergangenen Jahr, mit seinem Team. Für mich war’s der erste Start bei diesem Rennen.

 

Bereits beim ersten Pass, dem Gailbergsattel, zog sich das Feld weit auseinander. Ich befand mich mit circa zwölf Mann in der Spitzengruppe und versuchte vorne das Tempo gleichmäßig zu gestalten. Weiter ging es Richtung Plöckenpass. Ich wieder größtenteils voran und die Gruppe hinterher. Kurz vor der Passhöhe gab es schon die ersten Attacken des Tages. Ich war unter jenen, die nicht versuchten zu folgen und auf die Wattzahlen achtete, denn es sollten ja noch 180 geschafft werden.  Zu dritt schafften wir es, bis zum Fuß des nächsten Anstieges, die Ausreißer wieder einzuholen. Wie gehabt, platzierte ich mich wieder vorne und gestaltete das Tempo.

 

Die nächsten drei Pässe (Ligosulla, Lanzenpass und Nassfeld) sollten recht steil werden, besonders der Lanzenpass. Und es war heiß, der Schweiß floss in Strömen. Meine Gedanken waren aber nicht bei den steilen anstrengenden Rampen, sondern bei der Abfahrt des Lanzenpasses. Ich war davon noch traumatisiert von der Trainingsfahrt im letzten Jahr, wo ich dort zu Sturz gekommen bin und mir schmerzhafte, langwierige Prellungen zugezogen habe. Die Straße war schmal, sehr steil, viele unübersichtliche Kurven und Kehren und der Straßenbelag schlecht, fast schon eine Zumutung. Ich nahm die Abfahrt einigermaßen vorsichtig und mit wenig Risiko, ständig darauf achtend, nicht zu weit zurückzufallen. Und es ging gut, ich war erleichtert.

 

Erst bei der Auffahrt zum Nassfeld bemerkte ich, dass Bernd Hornetz nicht mehr in unserer Gruppe war und erfuhr, dass er wohl schon seit dem Lanzenpass auf und davon war. Oben angekommen hatten wir zwar erst 120 Kilometer hinter uns gebracht, aber bereits 3670 hm auf der Habenseite, also war’s bis hier hin ein ziemliches Auf und Ab.

 

Bis zum Gipfel des letzten Passes, dem Kartitscher Sattel, standen circa 70 Kilometer an; die erste Hälfte flach/hügelig, die zweite Hälfte mit vielen kleineren Anstiegen und kurzen Abfahrten dazwischen. Im flacheren Streckenabschnitt war unsere Gruppe recht unharmonisch, wir versuchten mehrmals einen Kreisel zu starten um Tempo aufzunehmen, wurden von Hornetz’s Teamkameraden aber immer wieder davon abgehalten, der in der Zwischenzeit einen recht beachtlichen Vorsprung herausgefahren hatte. Vielleicht hätten wir ihn durch gute Zusammenarbeit noch einholen können. Aber mit teilweise nicht mal 30 Kilometer pro Stunde im Flachen war dies unmöglich.

 

Die unrhythmische zweite Hälfte bis zum Kartitscher Sattel war für mich dann kein Vergnügen mehr. Das ständige Auf und Ab, mit den kurzen Attacken und die Hitze machten mir zu schaffen und leichte Krampfanzeichen in den Oberschenkeln kündigten sich an. Leider stürzten an dieser Stelle zwei aus unserer Gruppe, einer musste das Rennen mit einem Schlüsselbeinbruch beenden.

 

Einige Kilometer vor der Passhöhe, ziemlich am Ende meiner Kräfte, musste ich dann zusehen, wie sich die Gruppe langsam aber stetig aus dem Staub machte. Damit begann der Kampf gegen mich selbst und gegen die Krämpfe. Glücklicherweise konnte ich mich bis oben hin retten und den Pass runterrollen. Die Gruppe war immer noch in Sichtweite, jedoch für mich, auf den letzten 25 flachen Kilometern, alleine, mit Gegenwind und Krämpfen unerreichbar.  Meine Moral verbesserte sich schlagartig, als ich von Weitem einen guten Freund entgegenkommen sah, der sein Rennen schon auf der kurzen Distanz beendet hatte und zum ausradeln unterwegs war. Er versorgte mich mit Wasser und ich schaffte es einigermaßen zügig ins Ziel.

 

Unterm Strich schaute für mich ein sehr guter achter Platz heraus, mit circa 2,5 Minuten Rückstand auf die Gruppe um Platz zwei. Der Sieger Bernd Hornetz konnte bis zum Schluss einen beachtlichen Vorsprung von fast 10 Minuten auf den Zweiten herausfahren.

 

Sehr zufrieden mit meiner Leistung freue ich mich schon auf die nächsten Herausforderungen dieses Sommers.

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