Das Rennen der etwas anderen Art

 

Von Thomas Gschnitzer

 

Der Fahrer des Racing Teams WINAX - food artists, Thomas Gschnitzer, war beim 3epic – Tre Cime Lavaredo, bei den Drei Zinnen, am Start und belegte dort einen hervorragenden zweiten Gesamtrang. Sein Bericht.

 

Das 3epic – Tre Cime Lavaredo sollte eigentlich ein entspanntes Rennen werden, zwar mit vielen Höhenmetern aber ohne Stress.

 

Es war mein erster Start dort, in den Dolomiten, bei den Drei Zinnen, einem Rennen der etwas anderen Art. Die Strecke umfasst 108 Kilometer mit 3400 Höhenmetern, verteilt auf fünf Pässe. Das besondere an dieser Veranstaltung ist die Zeitnahme: gerechnet werden nur die Anstiegszeiten, die dann in Summe das Klassement bilden. Wie lange man dazwischen braucht, wie schnell man die Abfahrten bewältigt, ob man anhält, um zu essen oder sonst was macht, spielt für die Ergebnisliste keine Rolle. Und so war es eigentlich auch geplant.

 

Der Wecker klingelte am Samstag um 3.30 Uhr, recht früh. Nach dem Frühstück ging’s, zusammen mit ein paar Kollegen, nach Auronzo di Cadore in der italienischen Provinz Belluno. Start war um 8.15 Uhr. Ich hatte das Glück aus dem ersten Startblock zu starten, wollte aber oben am ersten Pass auf meine Kollegen warten.

 

Recht bald nach dem Start begann schon der erste Anstieg: viele sehr steile Rampen, weit jenseits der angegebenen Durchschnittssteigung. Es dauerte nicht lang, bis ich die meisten vor mir Gestarteten überholt hatte und zusammen mit drei bekannten Gesichtern aus der Marathonszene den Pass hochtretete. Uns ständig gegenseitig fordernd hatten wir eine gute Orientierung, ob das Tempo hoch oder weniger hoch war. Durch den Rennmodus konnten jedoch auch diejenigen gewinnen, die in der Startaufstellung ganz hinten gestartet waren. Für uns war es jedoch schon mal vorteilhaft.

 

Oben angekommen, vom Ehrgeiz gepackt, war mir klar, dass ich in dieser Situation schlecht warten konnte. Die anderen drei fuhren ohne Zwischenstopp weiter, da musste ich mit.

 

In dieser Konstellation fuhren wir weiter; bergauf immer voll, den Rest etwas weniger, um bestmöglich zu regenerieren. Ziemlich am Ende des vorletzten Anstieges, hinauf zum Misurinasee, konnten zwei schließlich nicht mehr mithalten. Mein Mitstreiter klebte ständig an meinem Hinterrad, löste mich vorne nie ab. Ich kannte seine Stärken und wusste, wenn der attackiert, würde ich eh nicht mithalten können. War mir aber egal, zu dem Zeitpunkt war’s kein Rennen mehr gegen andere, sondern nur noch gegen den inneren Schweinehund. Kurz vor Anstiegsende überholte er mich, wie erwartet, dann doch.

 

Anschließend hielten wir gemeinsam, zum ersten Mal, an der Verpflegungsstation, kurz vor Beginn des finalen Anstieges, an. Die letzte Anstrengung stand uns bevor: die berüchtigte Auffahrt zu den Tre Cime di Lavaredo, den Drei Zinnen: 6,5 Kilometer, die letzten vier Kilometer mit durchschnittlich 13 Prozent Steigung.

 

Zusammen ging’s über die Zeitnahme-Matte in den Anstieg hinein, und wieder, wie gehabt, ich voraus und der spätere Sieger an meinem Hinterrad. Die schwindende Beinkraft und die sich schon ankündigenden Krampfanzeichen erforderten teilweise eine Schlangenlinienfahrt, um eine etwas höhere Trittfrequenz zu ermöglichen. Auf den endlos erscheinenden letzten 1500 Metern löste sich mein Verfolger und fuhr im Wiegetritt langsam davon, Richtung Ziel. Mit ein bisschen Abstand erreichte dann auch ich das Ziel.

 

Mir wurde gleich gratuliert und mitgeteilt, dass ich wohl mit großer Wahrscheinlichkeit den zweiten Gesamtrang unter den circa 1400 Startern erzielt hätte. Also unglücklich war ich damit auf keinen Fall. Nächsten Sonntag wird voraussichtlich der Supergiro Dolomiti, in Lienz, in Angriff genommen. Ich freue mich schon darauf.

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