Warum Aleš recht behalten sollte

Von Timo Schoch


Der Fahrer des Racing Teams WINAX – food artists, Timo Schoch, hat sein erstes Lizenzrennen bestritten – und vorzeitig beendet. Sein Bericht.

 

„Dein erstes Lizenzrennen wirst du nicht beenden.“ Die Aussage von Aleš Großberger klingelt mir in den Ohren, als ich den ersten Anstieg des 53. Rosenheimer Straßenpreises hochhetze. Ich hatte meinen Teamkollegen etwas belächelt und dachte mir: „Ich werde dir das Gegenteil beweisen.“ Doch knapp vier Kilometer nach dem Start des KT/A/B/C-Rennens bin ich mir nicht mehr sicher – mehr noch: Ich würde ihm jetzt sogar schon zustimmen.

 

Dabei fängt alles gut an: Ich habe einen Startplatz weit vorne ergattert. Somit sollte ich um die anfänglichen Scharmützel herumkommen und mein Sturzrisiko minimieren – das ist der Plan. Aber dann wendet sich schnell das Blatt: Nach dem Start findet mein Schuh nicht gleich den Weg ins Klickpedal. Schnell bin ich etwa 40 Positionen weiter hinten. Etwa zwei Kilometer später, bis zum ersten heiklen Punkt, einer 90-Grad-Kurve, die in einen etwa drei Meter breiten Feldweg führt, habe ich mich wieder ziemlich weit nach vorne gekämpft. Doch in die Kurve fahre ich wohl etwas zu verhalten. Denn links und rechts schießen die anderen Fahrer an mir vorbei. Schnell habe ich rund zehn Meter Rückstand auf meinen Vordermann. „Ruhig bleiben, Kräfte sparen“, rede ich mir ein und habe schon einen Plan: Der Kerl hinter mir soll doch einfach die Lücke zufahren und ich würde mich in dessen Windschatten klemmen. Ich blicke zurück – und sehe nur das Auto des Veranstalters. Ich bin schon Letzter. Oh nein! „Schnell wieder das Loch zufahren“, schießt es mir durch den Kopf Ein paar Meter später bin ich dann auch wieder dran. Doch das sollte nur ein kurzes Intermezzo sein.

 

Rund 500 Meter weiter: Der Puls hämmert unter der Schädeldecke. Mein Radcomputer zeigt schon 180 Schläge an, der Wattmesser meldet knapp 500 Watt. Anschlag. Ich kämpfe bereits bei den ersten Höhenmetern, den Anschluss an das Feld nicht zu verlieren. Doch der Anstieg ist mit durchschnittlich fünf Prozent und knapp 120 Höhenmetern, verteilt auf zwei Kilometern, unbarmherzig. Endlich wird es wieder etwas flacher. Ich robbe mich zentimeterweise an das Hinterrad der Letzten im Feld wieder heran. Dann folgt die nächste Welle, wieder falle ich sukzessive zurück, um dann nach einem weiteren kurzen flachen Stück erneut näher zu kommen. Doch dann kommt der Schlussanstieg – und für mich der Mann mit dem Hammer: Eine Steigung von mehr als zehn Prozent, 500 Meter lang, sind zuviel. Ich verliere den Kontakt – und das bereits in der erste Runde. Die Ziellinie überquere ich als Letzter von etwa 80 gestarteten Fahrern – und das mit einer durchschnittlichen Leistung von 480 Watt über sechs Minuten. Klingt für den ersten Moment viel – ist aber trotzdem zu wenig. Was für eine Schmach. Ein weiterer Fahrer fällt ebenfalls noch zurück. Mit ihm bilde ich das Gruppetto. Schon jetzt kämpfen wir gegen den Besenwagen. Nach einer rasanten Abfahrt haben wir den Blickkontakt zum Feld bereits verloren. Vereinzelt sammeln wir noch ein paar Fahrer ein. Am Ende sind wir zu siebt, die sich gegen die Aufgabe stemmen.

 

90 Kilometer sind eigentlich zu fahren. Zehn Runden, à neun Kilometer, so sieht es das Programm für die besten Fahrer vor. Nach knapp der Hälfte der Distanz, beim Überqueren der Ziellinie, kommt der Arm des Schiedsrichters heraus: „Anhalten bitte, ihr haben das Zeitlimit überschritten“, höre ich noch. Kraft für weitere fünf Runden hätte ich noch gehabt, aber ich war einfach nicht schnell genug. Und nach einem Rückstand von etwas mehr als fünf Minuten auf das Hauptfeld ist mein erstes Lizenzrennen eben doch schneller zu Ende als gedacht – oder erhofft. Die Nummer wird vom Trikot entfernt, ich erhalte meine Lizenz zurück. Ich bin sehr enttäuscht über mein Abschneiden.

 

Woran es lag? Sicherlich bin ich für ein solch schwieriges und bergiges Lizenzrennen deutlich zu schwer. Aber insgesamt stimmen leider auch meine Werte nicht. Das Rennen hat mich wieder geerdet. Aleš sagte noch, dass er in seinem ersten Jahr als Lizenzfahrer kein Rennen beendet hätte. Ich hoffe, das war ein Scherz. So lange will ich schließlich nicht warten. In Sonthofen, am 13. Mai, versuche ich wieder mein Glück. Die Strecke soll zwar auch hügelig sein, aber zumindest gibt es keinen so schweren Anstieg. Und falls das nicht klappt, werde ich es beim Altmühltaler Straßenpreis am 21. Mai wieder probieren. Irgendwann muss es ja mal klappen mit einer Zielankunft vor der Karenzzeit. Noch bin ich zuversichtlich, dass ich Aleš‘ erstes Lizenz-Jahr toppen kann - wir haben schließlich um drei Kugeln Eis gewettet. Und mehr Motivationsanreiz geht bei mir fast nicht.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Vereinshomepage RSV Altmühltal e.V.