Der "Gladiator" Andrea Tafi mit den Fahrern des Racing Teams WINAX - food artists, Marjan (links) mit Niklas (rechts)

Formtest am Plattensee bestanden

 

Von Niklas Finke

 

Die Mapei Tour de Zalakaros ist ein Radrennen in Ungarn. Dort starteten die Fahrer des Racing Teams WINAX - food artists, Niklas Finke und Marjan Dolamic. Beide unterstrichen in Ungarn wieder einmal ihre hervorragende Form mit Top-Platzierungen.

 

Die Entscheidung bei der Mapei Tour de Zalakaros zu starten fiel relativ kurzfristig. Da wir am Vortag nach Slowenien zu Marjans Elternhaus für einen Kurzurlaub gefahren sind, erkundigte er sich bei Radsportfreunden aus der Gegend, nach einem Rennen im Umkreis. Er bekam den heißen Tipp, bei der Mapei Tour de Zalakaros in Ungarn, das südlich vom Plattensee liegt, zu starten.

 

Wir hatten uns im Vorfeld nicht sonderlich gut über das Rennen informiert. Kannten weder das Höhenprofil, noch andere Fahrer oder Teams. Unser Motto war einfach „Schau'n ma mal, dann seh' ma schon“.

 

Die Startzeit war mit 10 Uhr optimal, so dass wir noch genug Zeit hatten uns vor Ort für die große, 127 Kilometer lange Runde nachzumelden. Die Veranstaltung machte einen professionellen Eindruck, ähnlich bei Rennen des German Cycling Cups oder des Alpencups. Allerdings waren wir etwas verwundert, als 20 Minuten vor dem Start noch niemand in der Startaufstellung stand. Alle fuhren sich noch warm und so machten wir es dann auch. In der Hinsicht sind die Ungarn deutlich entspannter als andere Nationen. Das war ein gutes Beispiel dafür, dass es trotz der großen Teilnehmeranzahl von circa 1000 Teilnehmern auch ohne Startblöcke geht.

 

Die ersten 4 Kilometer führten aus der Stadt heraus und wurden neutralisiert hinter dem Führungsfahrzeug zurückgelegt. Nach dem scharfen Start gingen direkt die ersten Attacken los. Es gab drei Teams, die mit mehreren jungen Fahren vertreten waren und abwechselnd immer wieder attackierten. Zu den ständigen Rhythmuswechseln kam noch ein sehr starker Wind und der miserable Straßenzustand machte die Sache auch nicht einfacher. Trotzdem gelang es Marjan und mir die Attacken immer wieder mitzugehen und keine Gruppe entkommen zu lassen. Die zahlenmäßige Unterlegenheit war nach circa 25 Kilometern aber leider doch zu deutlich und es konnten sich drei Fahrer der starken Teams vom Feld absetzen. Ab da kam leider kein Tempo mehr in die Verfolgung, da die Teams der Spitzengruppe beim Stören der Verfolgung gute Arbeit machten.


Das Rennen schien schon zu einer RTF zu werden und so versuchten Marjan und ich das Tempo hoch zu halten und die anderen Einzelstarter zu motivieren, uns zu helfen. Das gelang auch eine Zeit lang recht gut, bis auf einmal alle die Beine hängen ließen, was uns sehr irritierte. Die Antwort auf diese Verschnaufpause sahen wir dann direkt nach einer 90-Grad-Rechtskurve und ließ uns zusammenzucken: Eine Wand mit bis zu 25 Prozent Steigung türmte sich vor uns auf und es war nicht erkennbar, wie lang sie ist. Jetzt zweifelte ich doch etwas an unserer unbekümmerten Herangehensweise an das Rennen. Den 28er-Rettungsring hätte ich definitiv gebrauchen können! Ich wurde von vielen Fahrern überholt, die sich vorher ausgeruht hatten. Da ich nicht wusste, wie lang der Anstieg ist, wollte ich auch nicht das Risiko eingehen zu überziehen. In der Abfahrt rollten dann wieder viele Fahrer zu einer Gruppe zusammen. Bei der Verfolgung der zweiten Gruppe spielte uns das Glück etwas in die Karten. An einer geschlossenen Bahnschranke wurden wir zu einer kurzen Pause gezwungen. Nur die Dreier-Spitzengruppe schaffte es vor dem Zug, den Bahnübergang zu passieren. Somit waren die Podiumsplätze bereits vergeben. Dahinter war aber wieder alles offen.


Nach dem Öffnen der Schranken wurde direkt wieder attackiert. Unter anderem versuchte es ein älterer Fahrer mit beeindruckenden Antritten immer wieder. Wie sich später herausstellte, war es Andrea Tafi, der italienische Ex-Profi, der unter anderem Paris-Roubaix und die Flandernrundfahrt gewonnen hat.


In der Rennphase verklemmte sich bei Marjan die Kette zwischen Ritzen und Rahmen und er musste zwei Mal anhalten um die Kette zu lösen. Dadurch fiel er leider zurück und konnte die Lücke zu meiner Gruppe nicht mehr schließen.


Bei Kilometer 45 wartete eine erneute Überraschung auf uns in Form einer weiteren hochprozentigen Rampe unbekannter Länge. Wie schon beim ersten Anstieg fuhr ich mein Tempo ohne zu überziehen. In der schnellen und kurvigen Abfahrt konnte ich wieder aufschließen. Die folgenden Kilometer waren weitestgehend flach, aber der starke Gegenwind war sehr kräftezehrend.


Da der Vorsprung der drei Führenden schon einige Minuten betrug, halfen nun auch die anderen Teams wieder mit und der belgische Kreisel lief relativ rund.
Die Gruppe war mir mit circa 20 Fahrern aber noch zu groß und so versuchte ich bei Kilometer 75 an einer Stelle mit starkem Seitenwind ein Loch auf der Windkante zu reißen. Es konnten drei Fahrer folgen, die mir schon vorher durch ihre starke Fahrweise aufgefallen waren und so war meine Hoffnung groß, schnell einen Vorsprung herauszufahren. Unser Quartett lief relativ gut, auch wenn ich und ein zweiter Fahrer den Großteil der Führungsarbeit leisteten.  Inzwischen war es auch sehr heiß und so war ich froh, als ein Teamwagen eines Fluchtgefährten auftauchte und mir eine Flasche Cola reichte.

 

Kurz vor dem Ziel gab es noch einmal eine Attacke des Fahrers, der am wenigsten Führungsarbeit geleistet hat. Wir konnten das Loch wieder schließen und es kam zum Sprint, in dem ich Zweiter wurde und somit Gesamt-Fünter.

 

Beim Blick auf die Ergebnisliste im Zielbereich war ich dann überrascht, dass noch ein erster Platz in der Altersklassenwertung herausgesprungen ist.

 

Marjan kam auf einen starken 24. Platz, was Platz drei in der Alterswertung bedeutete, er fuhr mit Andrea Tafi durchs Ziel, zu dem es noch einige lustige Anekdote gibt:

Marjan und Andrea leisteten in ihrer Gruppe die meiste Führungsarbeit und beschwerten sich gegenseitig über die anderen Fahrer. Dabei ergab sich dann folgender Dialog:

M: Were are you from?

A: I’m from Italy!

M: Oh, cool! We have italian bikes from Fondriest. Do you know Maurizio Fondriest? (Zeigt dabei auf den Schriftzug seines Trikots)

A: Of course I know Maurizio. But do you know me?!

M: No

A: I’m Andrea Tafi

M: Ok, sorry but I don’t know you

A: Hahaha!!

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