Zielsprint: Teamfahrer Timo Schoch (links) auf den letzten Metern bei Eddy Merckx Classic.

Warum nur ein Teilnehmergeschenk hilfreich war

Von Timo Schoch

 

Der Fahrer des Racing Teams WINAX – food artists, Timo Schoch, belegte bei Eddy Merckx Classic, über die kurze Distanz von 63 Kilometern und über 900 Höhenmetern, den dritten Gesamtrang. Sein Bericht zum Rennen.

 

Bei Radmarathons ist es Usus den Teilnehmern bei ihrem Start ein kleines Geschenk zu geben. Meist sind es Trikots, die dann von den Finishern stolz getragen werden. In Fuschl am See, bei Eddy Merckx Classic, war es ein Handtuch und eine Sonnencreme. Zumindest eines der beiden Geschenke kam zum Dauereinsatz.

 

Wenn die Schuhe beginnen bei jeder Pedalumdrehung genüsslich zu Schmatzen, sinkt die Motivation des Radlers meist schnell auf den Nullpunkt. So jedenfalls ergeht es mir immer, wenn ich im Regen fahren muss – denn freiwillig tue ich mir das nur in absoluten Notfällen an. So war es am Renntag des Eddy Merckx Classic in Fuschl am See. Bei Regen und einstelligen Temperaturen kuschelt man sich am Sonntagfrüh um 5 Uhr lieber nochmals ins warme Bett anstatt aufzustehen und sich aufs Rad zu setzen. Aber gut – die Anmeldung steht und als Memme will man ja auch nicht dastehen, deshalb gibt es nur eine Wahl: gut frühstücken, warm einpacken, Regenjacke drüber und zum Start rollen.

 

Kurz vor acht Uhr. Die letzten Minuten bis zum Start. Die Stimmung unter den Fahrern?! Zumindest etwas besser als das Wetter. Jeder hat so seine ganz eigenen Methoden gegen die miserable Witterung entwickelt. Man sieht perfekt ausgerüstete Radler. Andere haben improvisiert und beispielsweise Badehauben über den Helm gezogen oder Einweghandschuhe aus Gummi über die Hände gestülpt, die die Finger trocken halten sollen.

 

Um kurz nach acht Uhr fällt der Startschuss. Das Feld „schwimmt“ los. Es geht allerdings etwas gesitteter zu als bei trockenen Bedingungen. Ein Sturz bei solchen Bedingungen ist schließlich leicht passiert. Ich merke allerdings schon bei den ersten Tritten, wie stark meine Muskulatur ausgekühlt ist. Kein Warmfahren und dann noch die einstelligen Temperaturen tun ihr übriges. Ich entscheide mich deshalb, in den ersten Anstieg, am Ortsausgang in Fuschl am See nicht mit Vollgas hochzufahren, sondern dosierter. Meine Erfahrung aus dem vergangenen Jahr lehrte mich, dass es bei der darauffolgenden Abfahrt sowieso wieder zu einem Zusammenschluss der Gruppen kommt. Das war auch gleich mein erster Fehler: Kein Rennen läuft wie das andere – vor allem nicht bei solchen Bedingungen. Während ich mit knapp unter 90 Prozent meiner Leistungsfähigkeit hochkurble, ballert die Spitzenfahrer hoch, erreichen den Scheitelpunkt mit rund 30 Sekunden Vorsprung. Bei der Abfahrt riskiere ich nichts. Auf dem darauffolgenden, weiteren leichten Anstieg, kann ich deshalb nur den Anschluss an die Verfolgergruppe der Spitze herstellen. Dann folgt der nächste Fehler: Als ich die Verfolgergruppe erreicht habe, fahre ich nicht gleich an eine der vorderen Positionen, sondern will mich am Ende des Feldes etwas erholen. Bei der folgenden Abfahrt nach Thalgau verliere ich deshalb wieder an Boden, weil ich eben kein Risiko eingehen will. Es bildet sich dabei eine Lücke von rund 30 Sekunden – die meine Gruppe nicht mehr schließen kann.

 

Dann der dritte Fehler: Mit Sponsor und Fahrer Matthias Kowalsky rede ich vor dem Rennen noch über die Radbrillen. „Nimmst du eine mit?“, frage ich ihn. „Klar“, lautet seine Antwort. „Ich habe Linsen drin, wenn du die Brille abnimmst, dann sammeln sich im Auge von dem aufgewirbeltem Wasser kleine Körner. Das kratzt furchtbar.“ Auch ich bin Linsenträger. Aber das Wasser prasselt von allen Seiten auf mich ein: von oben, von vorne, von unten. Durch die niedrigen Temperaturen läuft meine Brille an und auch das Wasser setzt ihr zu. Kurzum: Ich kann kaum noch etwas sehen. Deshalb nehme ich sie ab. Und dann tritt das ein, vor dem mich Matthias gewarnt hatte: Die Augen kratzen, ich reibe, die Linsen schwimmen. Es wird noch schlimmer. Dazu ist Wetterbesserung nicht in Sicht und meine Schuhe schmatzen bei jedem Tritt. Die Motivation ist auf dem Nullpunkt. Somit schwenke ich kurzerhand um und profitiere damit vom Angebot des Veranstalters, während des Rennens eine andere Strecke zu wählen.


Als ich an einer Straßengabelung auf die kurze Distanz abbiege, habe ich allerdings keine Ahnung, an welcher Position ich mich befinde. Erst im Ziel zeigte sich: Die Spitze bildete mit Paul Moser lediglich ein Fahrer. Es ging also um den zweiten Platz. Neun Fahrer verfolgen Paul, darunter befinde ich mich auch. Am vorletzten Anstieg, hoch zur Scharflinger Höhe, versucht sich mit Korbinian Müller ein Fahrer aus dieser neunköpfigen Gruppe abzusetzen. Meine Muskeln funktionieren endlich wie sie sollen - was vermutlich daran lag, dass mein Kopff mir sagte: Gleich bist du im Ziel. Dort wartet eine schöne, warme Dusche auf dich. Ich fahre das Loch bis zum Ende des Anstiegs wieder zu. Da mir mit Markus Kirchner nur ein weiterer Fahrer folgen kann, wusste ich, dass ich die anderen im Kreuz habe. Bis zum letzten Anstieg wird wieder Bummeltempo gefahren, so dass die Abgehängten, wieder aufschließen können. Am finalen Anstieg von St. Gilgen, in Richtung Fuschl am See, zeigt sich wieder das gleiche Bild: Korbinian versucht erneut einen Ausreißversuch. Mein Verfolger Markus und ich haben im Maximum etwa 50 Meter Abstand. Als die Steigung etwas abflacht, will ich unbedingt Markus abschütteln und die Lücke schließen. Und auch da sollte ich nächstes Mal eine andere Strategie wählen: Denn wie bei einem Stufentest erhöhe ich schrittweise die Leistung. Im Nachhinein hätte ich kurz antreten sollen, um eine kleine Lücke zu reißen und dann wieder mit normaler Leistung weiterzufahren. So aber funktionierte mein Vorhaben nur teilweise: Ich kann die Lücke zu Korbinian zwar zufahren, allerdings bleibt Markus hartnäckig an meinem Hinterrad.

 

So musste also ein Zielsprint die Entscheidung über Platz zwei bringen. Korbinian ist schnell hinter uns, Markus kommt besser aus der letzten Kurve, aber ich bin schneller, hole auf – und überquere meiner Meinung nach sicher vor ihm das Ziel. Kurioserweise belegte ich am Ende allerdings nur den dritten Platz in der Endabrechnung, mit einer Zehntel Sekunde Rückstand auf Markus. Dies war gleichbedeutend mit dem zweiten Platz in der Altersklasse, ebenfalls hinter Markus. So richtig zufrieden war ich deshalb nicht, weil eben jeweils ein besserer Platz in absoluter Reichweite war. Schlussendlich aber überwiegt das positive Gefühl und ich freute mich über die tollen Platzierungen des Teams – und über mein Gastgeschenk, das Handtuch. Das wohl am häufigsten benutzte Utensil an diesem Sonntag, um sich nach dem verregneten Rennen abzutrocknen. Die Sonnencreme hebe ich mir allerdings für das kommende Jahr auf – in der Hoffnung, dass ich diese dann beim 12. Eddy Merckx Classic auftragen kann. Das Rennen an sich ist einfach toll: gut organisiert, nette Leute und eine tolle Landschaft – wobei man von dieser an diesem Rennsonntag nicht viel gesehen hat.

 

Zum Team-Bericht Eddy Merckx Classic

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