Härtestes und längstes Rennen in meiner bisherigen Radkarriere

 

Von Daniel Slobodin

 

Am 11.08.2018 war es soweit: Generalprobe für den Ötzi zusammen mit Nino Ackermann.

Vom Ausgangspunkt Teplice, einer größeren Stadt südlich des Erzgebirges, standen 250 km und knapp 5000 Höhenmeter im Tschechischen Erzgebirge auf dem Plan. Aufgrund der Ausrichtung nach Süden ist es unter Dresdnern auch als „Südhänge“ bekannt.

Nicht weniger als 5 dieser steilen und meist um 500 Höhenmeter hohen Anstiege galt es zu bezwingen. Außerdem noch viele kleine bissige Wellen insbesondere auf der Rückfahrt. Ein Heimvorteil für mich, da ich alle Südhänge bereits häufig im Training gefahren bin.

 

Da der Start um 7 Uhr morgens war, reisten wir mit Nino schon am Vortag an. An dieser Stelle nochmals Dank an Nino für den Autotransfer von Dresden nach Teplice. Am Vortag regnete es nochmals, danach trocknete es ab. Mit dem Wetter sollten wir richtig Glück haben, denn endlich mal sollten es weniger als 30 Grad werden.

 

Die Nacht war wie erwartet kurz und so standen wir schon halb 7 im Startblock. Um 7 Uhr dann endlich der Startschuss und es ging neutralisiert aus der Stadt raus, aufgrund von Kopfsteinpflaster und Bodenwellen bis zum Ortsausgang. Danach hob die Rennleitung die Fahne, es ging los. Meine Beine fühlten sich super an, ich freute mich auf ein tolles Rennen. Nun folgten knapp 30 wellige Kilometer, das Tempo war moderat angesichts der bevorstehenden Strecke. Trotzdem versuchten einige immer wieder erfolglos auszureißen, was jedoch von uns verhindert wurde.

Nun folgte endlich ein etwas längerer Anstieg nach Arnultovice, der teils recht steile Rampen hatte. Ich beschloss auf diesen 2 Kilometern zu attackieren,  Mein Plan ging auf, das Feld zog sich stark auseinander, in der darauffolgenden Abfahrt ließ ich es im wahrsten Sinne des Wortes richtig krachen, dank böhmischen Asphalt. Ich hatte richtig Spaß!

Danach folgten knapp 7 leicht bergab führende Kilometer, wir wechselten uns in der Spitze ab. Dann der erste Scharfrichter, der Decinski Sneznik wartete auf uns. Steil ging es 5 Kilometer aus dem Ort Jilove raus, ich machte weiter Tempo. Danach 3 flache Kilometer bis Tisa, und danach eine schöne Abfahrt, die im Rennen nochmal mehr Spaß machte. Nino war zu diesem Zeitpunkt in einer 4 Mann großen Verfolgergruppe.

Nun ein etwas langweiliger Teil bis zum 5 km langen Anstieg nach Naklerov, der natürlich auch wieder fiese Rampen beinhaltete, vor allem in einer Kehre meinte man zu stehen. Meine Beine fühlten sich weiterhin gut an, ich machte mir schon Gedanken um einen Podestplatz. Danach eine schöne, enge und kuvige Abfahrt, heute lief es richtig gut bergab, ich fuhr ein hohes Tempo. Weiter dezimiert erreichten wir das Tal, auf dem anschließenden Flachstück legte es mich fast, ich übersah einen tiefen Gullideckel, da ich gerade meine Flasche in den Halter schob. Ich sah mich schon auf dem Asphalt rutschen. Zum Glück aber nochmal gut gegangen, trotz heftiger Schräglage.

 

Nun folgte mein Hassberg, Krupka, 6 Kilometer mit fast immer um die 10 Prozent Steigung, sehr ungleichmäßig, und bis zu 17 prozent am Ortsausgang steil. So langsam merkte ich, dass die Beine nicht mehr die frischesten waren, Sorgen machte ich mir aber keine, da ich mich genug verpflegte. Niemand fuhr größere Attacken, alle waren erstmal mit der Gruppengröße zufrieden. Endlich war der Anstieg zu Ende, nach weiteren welligen Kilometer auf dem Erzgebirgskamm folgte eine breite Abfahrt auf der alten Fernstraße Dresden-Prag, die mir wieder viel Freude bereitete. Unten verpflegte ich mich wieder und schon bald folgte der 3. Südhang hoch zum Stürmer, 8 Kilometer mit knapp 500 Höhenmetern, angenehm zu fahren und hintenraus immer flacher. Doch irgendwas stimmte nicht, trotz viel Verpflegung waren die Beine schwer, der Puls ging immer weniger hoch. Sollte ich also doch noch Probleme kriegen? Mit diesem Gedanken fuhr ich weiter in der Spitze. Es regenete nun teilweise ein bisschen.

Wellig ging es auf der Hochfläche dahin, am Flöha-Stausee vorbei, den wir dank einem 40 Kilometer langen Rundkurs nochmal einen Besuch abstatten werden. Die Beine wurden wieder besser. Nun folgte meine Lieblingsabfahrt runter nach Litvinov, viele Kurven und nicht zu steil. Schnell waren wir unten und nach 5 flachen Kilometern durch die Stadt folgte der Anstieg nach Dlouha Louka. Die Beine wurden wieder schwerer, der Puls ging nicht groß über 160 hinaus. Zu allem Überfluss verabschiedete sich mein Garmin. Die 7 Kilometer mit 550 Höhenmetern waren die reinste Tortur, vor allem da die letzten 2 km durch den Ort wieder sehr steil waren.

 

Hier passierte es leider, ich konnte die ohnehin schon stark dezimierte Spitze nicht mehr halten. Kompletter Einbruch, ich fuhr im Schneckentempo hoch, der versuch wieder aufzuschließen scheiterte erwartungsgemäß, auch dank Gegenwind. Ich war richtig wütend, vor allem da ich den Grund für den Einbruch nicht weiß. Am liebsten wäre ich einfach abgestiegen. Aber ich versuchte mich wieder zu motivieren. Ich fuhr alleine wieder am Stausee vorbei, vorbei an vielen langsameren Fahrern. An der Verpflegung musste ich kurz meine Flaschen nachfüllen. Kleiner Trost, selbst wenn ich nicht eingebrochen wäre, hätte ich hier halten müssen, und die anderen wären weg, da sie eigene Getränkehelfer hatten.

Die Abfahrt machte wieder Spaß, aber hier merkte ich wie kaputt ich war. Beinahe wäre ich viel zu schnell in eine Kehre reingefahren. Jetzt nur aufpassen. Nun sollten weitere wellige 40 Kilometer durch das böhmische Mittelgebirge folgen. Die Landschaft erinnerte mich mehr an Italien, aber an Genießen war gar nicht zu denken. Einsam kurbelte ich immer weiter, nur mit dem Gedanken nicht eingeholt zu werden. Ich wusste nur ungefähr, wo ich bin, zum Glück hatte ich einen Höhenplan auf meinem Oberrohr geklebt. An der nächsten Verpflegungsstation füllte ich meine Flaschen mit Kofola, der tschechischen Cola, nur noch viel besser. Und schnell gings weiter. Es folgten einige kurze bissige Anstiege zwischen den Kegelbergen, dann endlich, letzten Pass erreicht. In der Abfahrt fasst von einem ausparkenden Auto mitgenommen worden. Aber weiter gehts. Ich wurde von Sten Währisch, vom Petz Racing Team eingeholt. Zusammen fuhren wir weiter Richtung Teplice. Ein letzter gemeiner, aber kurzer Anstieg kurz vor Teplice, danach wusste ich, Platz 6 oder 7 ist mir immerhin sicher.

 

Am Ende entschloss ich mich nochmal zu sprinten. Das leicht bergauf ging, war ein Vorteil für mich. So überquerte ich als 6. Gesamt und 2. AK endlich die Ziellinie. Mit meiner Zeit von 07:50 war ich sehr zufrieden, einem Ötzi unter 8 Stunden sollte also nichts im Weg stehen.

 

Nur wenig später kam Nino Ackermann als 10. Gesamt und 3.AK ins Ziel. Wir beide waren völlig am Ende, Nino meinte, dass die Strecke schwerer als der Ötztaler ist, da es viel mehr steile und unrhythmische Anstiege gibt, und die Abfahrten sind zu kurz.

Ich komme auf jeden Fall wieder, das niedrige Startgeld, die räumliche Nähe und vor allem die sehr gute Organisation zeichnen diese tolle Veranstaltung aus. Selbst als ich alleine fuhr, wurde selbstverständlich jede Kreuzung durch Streckenposten für mich gesperrt. Ich kann also jedem dieses Rennen empfehlen, es gibt außerdem auch eine 180 und 110 km lange Runde.

Trotz des Einbruchs bin ich also zufrieden über meinen 6. Platz, der Ötzi kann kommen!

 

 

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